Julian Reich Dossier

Bewerbung · Redaktor mit Schwerpunkt Künstliche Intelligenz · NZZ Pro

Über KI schreiben – und sie in der Redaktion einführen.

Seit 2025 schreibe ich in der «Südostschweiz» die Kolumne «Schöne neue Welt» über künstliche Intelligenz. Gleichzeitig führe ich die Technologie als KI-Beauftragter der Somedia-Redaktionen ein: Werkzeuge bauen, Anwendungen betreuen, Kolleginnen und Kollegen schulen. Was ich über KI schreibe, habe ich vorher benutzt.

Diese Seite zeigt beides: drei Texte, drei Werkzeuge, drei Auftritte.

Anschliessend folgen drei Beispiele aus dem aktuellen Jahr. Sie zeigen, wie ich das Thema im Kolumnistenton angehe: von der Branche, von der Wirtschaft und der Gesellschaft her.

14. August 2026

Der Reflex der KI-Jäger

Über die Rolle künstlicher Intelligenz im Journalismus

Bald schreibe ich seit 20 Jahren Artikel für Zeitungen und Magazine. Noch nie hat die Medienbranche derart stark mit der Frage gerungen, was sie leisten und welche Mittel sie dafür einsetzen soll. Auslöser der Diskussion ist das Aufkommen von Sprachmodellen, besser bekannt als generative künstliche Intelligenz.

Plötzlich sind da Maschinen, die ebenfalls Texte, Bilder und Videos produzieren können. Das stellt das Selbstverständnis jener Leute infrage, die darin ihr Auskommen finden, Texte, Bilder und Videos zu veröffentlichen und dafür Geld zu verlangen. Besonders jenes der Medienschaffenden also.

Erschienen in der «Südostschweiz», 14.08.2026 →

18. Juni 2026

Musk, Mythos und die Bündner KI-Skepsis

Über alte Schafe und neue Billionäre

Am Wochenende war ich wandern in einem abgelegenen Bündner Seitental. Ganz zuhinterst liegt der Handyempfang in etwa bei Null. Was jene freut, die gern abgeschieden von der Welt wandern, für jene aber schwierig sein kann, die hier Schafe hüten: Was tun, wenn Not ist? Bis vorn im Tal ist es weit und lang. Deshalb haben die Älpler neu Internet über den Satellitendienst Starlink. Sie können damit den Notruf wählen, aber auch auf Netflix Filme gucken.

Starlink gehört zum Konzern SpaceX, und dieser gehört dem reichsten Mann der Welt: Elon Musk. Vor einer Woche ging Musk mit seinem Konzern an die Börse und sammelte so viel Geld ein, dass er zum ersten Billionär der Welt geworden ist. Kapitalistischer Herdentrieb hat sein Vermögen auf geschätzte 1,1 Billionen US-Dollar hochgeschraubt. Absurd viel.

Erschienen in der «Südostschweiz», 18.06.2026 →

21. Mai 2026

Wenn die KI sich selbst auffrisst

Über Linkedin-Floskeln und den Durchschnitt des Durchschnitts

Jeder ist verdächtig: Wenn ich dieser Tage Texte lese, sei es auf Online-Foren oder auf Social-Media-Seiten, ja sogar in Zeitschriften und Zeitungen, läuft stets ein Detektor mit. Jeden Satz prüft er darauf, ob er von einem Menschen stammt oder von einer künstlichen Intelligenz. Allzu oft entlarven sich die polierten, mit Emojis ausstaffierten Beiträge auf Linkedin schon beim zweiten Satz als offensichtlich KI-generiert. «X ist kein Zufall, x ist System», heisst es dann, oder: «Das Problem ist nicht y. Das Problem ist z.» Und ich frage mich: Wann kann die KI das endlich besser?

Denn ich verstehe es ja: Vielen bedeutet das Posten auf Plattformen die Welt, ob beruflich oder privat. Und mit Chatbots wie ChatGPT und Co. haben wir heute helfende Werkzeuge, die unsere Gedanken schärfen und unsere Texte besser machen können. Sie sind ja genau das: Sprachmodelle, trainiert auf vielen Texten, aus denen sie berechnen können, wie eine Wortfolge weitergehen könnte. Auch ich nutze sie und meine: Zumindest meine schlechten Texte sind besser geworden.

Erschienen in der «Südostschweiz», 21.05.2026 →

Weitere Ausgaben der Kolumne: suedostschweiz.ch/thema/schoene-neue-welt

Für den Redaktionsalltag der «Südostschweiz» habe ich diese Werkzeuge gebaut – ohne Programmierkenntnisse, mit KI-Assistenz. Sie sind im Einsatz.

Ticker-Transkriptor

— PWA · n8n · Whisper · GPT-4o-mini

Live-Berichterstattung aus Parlamentssitzungen, Landsgemeinden und Pressekonferenzen kostet enorm viel Zeit: mitschreiben, transkribieren, strukturieren — parallel zum Zuhören.

Eine Progressive Web App nimmt Audio in Minuten-Abschnitten auf, schickt es über einen n8n-Workflow an Whisper, lässt das Transkript sprachlich glätten und schreibt es fortlaufend in ein Google Doc, auf das die Redaktion zugreift. Für die Glarner Landsgemeinde 2026 mit einem eigenen Vokabular für Namen, Orte und Abstimmungsformeln versehen.

Ticker-Transkriptor: App-Oberfläche

Verkehr in der Südostschweiz – live

— n8n · ASTRA DATEX II · Tiefbauamt GR · GitHub Pages

Ob auf der A13 Stau ist, erfährt eine Redaktion meist von TCS oder Google Maps – und damit später als die Leserschaft. Die amtlichen Messdaten gibt es zwar, aber nur als SOAP-Schnittstelle des Bundes, für Kantonsstrassen und Pässe nur auf Antrag beim Kanton.

Drei Datenströme über n8n zusammengeführt: die Verkehrszähler des ASTRA (alle fünf Minuten, 45 Standorte), die amtlichen Verkehrsmeldungen des Bundes und die Zustandsmeldungen des Bündner Tiefbauamts. Die eigentliche Arbeit war redaktionell: Wer beobachtet, darf «Stau» sagen – wer misst, sagt nur, was er belegen kann. Die Zählstellen melden deshalb «langsamer als üblich», verglichen mit dem, was an diesem Tagestyp zu dieser Viertelstunde üblich ist. Am 10. August 2026 hätte das Dashboard den gesperrten Kerenzerbergtunnel um 07:25 Uhr gezeigt; der erste Ticker-Eintrag der Redaktion kam um 09:06 Uhr.

Verkehrsdashboard: Kachel-Ansicht der Bündner Hauptachsen

Gerichtsmonitor Obergericht Graubünden

— n8n · OpenAI

Gerichte publizieren laufend neue Entscheide. Niemand in einer Lokalredaktion hat Zeit, täglich manuell nachzusehen — relevante Fälle gehen unter, bevor jemand davon weiss.

Ein Workflow prüft die neu publizierten Entscheide des Bündner Obergerichts, lässt sie zusammenfassen und schickt einen strukturierten Digest in die Redaktion. Die Auswahl bleibt beim Menschen; die Maschine macht nur sichtbar, was es überhaupt gibt. Fund unter anderem: eines der ersten Schweizer Urteile, das die Aussage eines KI-Modells beurteilt.

Gerichtsmonitor: täglicher Digest

MAZ-Thementagung «KI im Journalismus – Was kommt 2027?»

18. November 2026 · MAZ in Kooperation mit der NZZ · NZZ, Falkenstrasse 11, Zürich

Referat «Zwischen Effizienzgewinn und Stärkung des Lokaljournalismus» und Abschlusspodium «Es guets Nöis? Journalismus im 2027» mit Barnaby Skinner (Stv. Chefredaktor NZZ), Daniel Vogler (fög / Universität Zürich) und Cornelia Jost, moderiert von Reto Vogt (MAZ).

Programm auf maz.ch →

«Südostschweiz Standpunkte» – Gesprächsrunde zur Beziehung zwischen Mensch und KI

Aufzeichnung 22. September 2026 · TV-Studio Chur · Ausstrahlung auf TV Südostschweiz, SRF 1 und SRF info

Rund 50 Minuten Diskussion darüber, was passiert, wenn Nutzerinnen und Nutzer der KI nicht mehr nur Fragen stellen, sondern ihre Dateien, Fotos und Gewohnheiten übergeben – und das Modell sie mit der Zeit besser kennt als manche Bekannte. Zweiter Gast: Rafael Zeier, Tech-Journalist beim «Tages-Anzeiger».

Webinar der Edito Academy: Recherche-Assistenten für die Redaktion

7. Mai 2026 · Edito Academy · Gastgeber: Matthias Zehnder

Einblick in die KI-Anwendungen bei Somedia: der Gerichtsmonitor, der die Urteile des Bündner Obergerichts automatisch zusammenfasst und in die Redaktion schickt, die Audio-Transkription für die Glarner Landsgemeinde, dazu Datenrecherchen zu Briefkastenfirmen und Gemeindebevölkerung. Kern des Referats war der Unterschied zwischen Chatbot und Workflow – nützlich wird die Technik erst, wenn ein Ereignis sie auslöst.

Dazu laufende interne KI-Workshops für die Somedia-Redaktionen seit 2025 – und ein Fragebogen-Interview über quantitativen und qualitativen KI-Einsatz in Redaktionen in der Reihe «Menschen & Medien» von Matthias Zehnder, 19. August 2026.

Ich bin seit fast 20 Jahren Journalist. Ich stieg als Praktikant beim Bündner Tagblatt ein, leitete die Kulturredaktion und schrieb als Regionalredaktor über Politik und Wirtschaft. Seit 2018 verantworte ich das Magazin Terra Grischuna: Themenplanung, Heftstruktur, Produktion, Budget, freie Mitarbeitende.

Als ChatGPT die Branche aufwirbelte, wollte ich verstehen, was das für mich als Textarbeiter bedeutet. Ich absolvierte den CAS Corporate Writer/AI Content Creator an der HWZ und übernahm im Januar 2025 ein 30-Prozent-Pensum als KI-Beauftragter der Somedia-Redaktionen: Werkzeuge bauen, Anwendungen betreuen, Kolleginnen und Kollegen schulen.

Die Stelle bei NZZ Pro verbindet, was ich heute nebeneinander mache: über KI schreiben und mit ihr arbeiten. Ich kenne die Versprechen der Anbieter, die Zahlen der Kapitalmärkte und die Ernüchterung im Alltag einer Redaktion, die die Technologie tatsächlich einführt. Das ist die Perspektive, die ich für ein Publikum mitbringe, das entscheiden muss, wie viel es auf KI setzt.